Eine freie Traurednerin – Eindrücke in freie Trauung und LGBT – Klischees

Hochzeit, LGBTQ+

Stell dir bitte kurz diese Situation vor: du siehst eine blonde Frau, mit gemachten Nägeln, gefärbten Haaren, künstlichen Wimpern. Sie trägt eine Fake Louis Vuitton Tasche und vielleicht etwas zu viel Pink und Leo… Naaaa? hast du dich eventuell gerade auch dabei erwischt wie du vielleicht gerade dachtest: „Ach… so ne Tussi oder Barbie Puppe“ ?

Kein Problem, ich würde behaupten, dass ungefähr 90 Prozent genauso gedacht hätten, wenn nicht sogar mehr.

Freie Traurednerin Britta

Hi, ich bin Britta, freie Rednerin für Hochzeiten und Trauerfeiern und darf diesen Blogartikel für euch schreiben. Und: ich bin die anfangs oben beschriebene Person. Mach dir keine Sorgen, wenn du jetzt denkst: „Oha, aber eigentlich sieht sie doch ganz sympathisch aus.“ Ich behaupte mal jetzt ganz selbstbewusst, ja dass bin ich auch! Aber den Tussi Stempel bekomme ich trotzdem sehr oft. Des Öfteren kommt auch arrogant hinzu, da ich zwar ein sehr offener Typ bin, aber anfangs erstmal schaue, mit wem habe ich es eigentlich zu tun. Schnell wird diese Aussage oder der Gedanke dann auch korrigiert, wenn man mich dann kennenlernt.

Aber wie oft haben wir gar nicht die Möglichkeit jemanden wirklich kennen zu lernen. In meiner beruflichen Laufbahn hatte und habe ich immer mit Menschen zu tun. In meiner früheren Beschäftigung mit Mitarbeitern, die einen Job gesucht haben, aktuell mit Brautpaaren und Angehörigen von Verstorbenen. Früher war ich wie fast alle… ich habe Menschen gesehen, nicht kennengelernt und sie be- oder sogar verurteilt. Nur durch ihr Auftreten/ Aussehen. Aber ich habe zum Glück gelernt, Menschen erst einmal kennenzulernen und da spielt am Ende die Optik oder Lebenseinstellung die zweite Geige.

Ich habe für mich ein Motto entdeckt, was ich dir gerne auf den Weg geben möchte:

„Es gibt hübsche Menschen (Optik) und es gibt schöne Menschen (Charakter).“

Freie Traurednerin Britta

Mir sind schöne Menschen wichtig. Ich möchte mich am Ende auch mit solchen gerne umgeben und meine Zeit verbringen. Und da ist mir völlig egal, wie der Mensch aussieht, was er anhat, wen er liebt. Ich mag diesen Menschen, weil er die gleiche Denkweise hat, gleiche Werte vertritt oder weil du Dinge an demjenigen einfach magst bzw. schätzt.

Aber warum nun dieser Blogbeitrag? Ich durfte im letzten Jahr 4 Mädelspaare (ja, richtig Lesben) bei ihrer Hochzeit begleiten und sie trauen. Oft wurde ich gefragt, ist da was „anders?“ Ich persönlich verstehe diese Frage gar nicht… aber vielleicht bin ich da auch zu blond für… kleiner Spaß. Natürlich ist da nichts „anders“ es sind zwei Menschen, die sich lieben und die zum Glück auch endlich heiraten dürfen. Trotzdem werde ich oft in meinem engeren Umfeld angesprochen: „Na wer von den Beiden war der Kerl?“

0der „sind das auch so „Kampflesben?“

Willkommen in der Klischeewelt

Man merkt, wie sich solche Gedanken in den Köpfen fest gesetzt haben. Wenn ich dann erzähle, dass beide sogar lange Haare haben, weiblich und sehr hübsch und schön sind, dann kommt direkt der nächste Knaller: Entweder: „Was für ne Verschwendung“ oder „die müssen nur mal richtig…“

Ja, leider von den Herren, aber auch hier sind ja zum Glück nicht alle gleich. Ich bin mittlerweile etwas genervt von solchen Aussagen und möchte gar nicht wissen wie es den betroffenen Personen damit geht. Sollten wir nicht einfach alle etwas toleranter miteinander sein und jeden so sein lassen wie er ist, egal wen er liebt oder welche Einstellung er hat? Ich möchte natürlich keine kriminellen oder ähnliche Dinge hier unterstützen, aber ich denke das ist klar und ihr wisst worum es geht. Sollten wir mit jemanden nicht zurecht kommen, dann wäre es doch ok, den Kontakt zu meiden oder Abstand zu nehmen und zu halten. Du musst niemanden mögen.

Klar, das wird nicht immer gelingen und es wird immer wieder Menschen geben, wo du merkst: das passt einfach nicht. So ist das auch mit meinen Brautpaaren. Wenn sie mich für ihre Hochzeit anfragen, dann lernen wir uns kennen. So kann jede Seite schauen ob es passt und harmoniert, denn nur so wird es am Ende schön. Jetzt könntest du dich beim lesen fragen: sagt die wohl auch Paaren ab, wenn es nicht passt? Ja, das tut sie. Allerdings muss ich dazu sagen, dass die Paare, die mich anschreiben und mich an ihrem großen Tag dabei haben möchten, sowieso wissen wie ich bin.

Es gibt aber auch Menschen, denen bin ich zu blond, zu forsch, zu lebendig zu was auch immer….aber das ist ok! Ich möchte mal so frech sein und einen Wunsch äußern bzw. dir eine kleine Aufgabe mit auf den Weg geben: Wenn du das nächste mal irgendwo sitzt und jemanden siehst wo du merkst, dass du direkt die Schublade aufmachst… frage dich vielleicht mal, warum derjenige so aussieht wie er aussieht oder tut was er tut. Vielleicht mag derjenige eine Farbe ganz besonders oder, oder, oder… Am Ende ist es seine Entscheidung und er fühlt sich so wohl. Wenn es etwas ungewöhnliches sein sollte, dann bewundere doch den Mut, dass sich jemand mal traut und das Selbstbewusstsein hat, genau so zu leben, wie es ihm gefällt.

Freie Traurednerin Britta

Halte es doch wie Klopfer von Bambi: „wenn man nichts Gutes zu sagen hat, dann sollte man den Mund halten!“ Ich finde es unheimlich schade, dass ich in meiner Stadt so wenig bis gar keine gleichgeschlechtliche Paare sehe. Oder vielleicht sehe ich sie zwar, aber sie halten ihre Liebe und Partnerschaft zurück und zeigen sie nicht in der Öffentlichkeit und du siehst einfach zwei Kumpels oder Freundinnen. Komischerweise machen sich heterosexuelle Paare dabei überhaupt keine Gedanken. Sondern sie zeigen durch Händchen halten und Küssen stolz: „Sie oder er gehört zu mir.“

Und genau das sollten sich alle Liebenden erlauben. Ohne angeglotzt zu werden.

Liebe LGBTQ- Liebenden, traut euch, zeigt euch, verändert die Welt. Ich und viele andere stehen auf euer Seite und es werden zum Glück immer mehr. Das Leben ist einfach zu kurz um es anderen recht zu machen. Das Leben passiert jetzt und niemand weiß, was morgen oder gar in ein paar Jahren ist.

In diesem Sinne, liebe und lebe im Jetzt!

Deine Britta von Herzzeilen

Ja, ich will!

Eure Geschichte ist es wert erzählt zu werden.